Griechenland beim IWF in Zahlungsverzug
Mittwoch, den 01. Juli 2015 um 13:52 Uhr

Seit Mitternacht ist Griechenland beim IWF (Internationaler Währungsfond) wegen einer ausstehenden Rückzahlungsrate in Höhe von rund 1.6 Mrd. Euro in Zahlungsverzug. Ein Sprecher des IWF stellt bereits in einer kurzen Mitteilung den Zahlungsverzug fest. Alexis Tsipras, der Ministerpräsident Griechenlands, habe den IWF bereits um einen Zahlungsaufschub gebeten. Griechenland schuldet dem IWF noch dieses Jahr 6.2 Mrd. Dollar zuzüglich weitere 26 Mrd. Dollar binnen der nächsten 10 Jahre. Damit ist seit Gründung des IWF in 1945 (einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen) Griechenland die erste in Zahlungsverzug geratene Industrienation. Ebenso stellt Griechenland den größten und massivsten Hauptschuldner des IWF dar. Laut Statuten des IWF könnte Griechenland unter Umständen einen Zahlungsaufschub um bis zu 10 Jahren erhalten. Im ungünstigsten Fall wird Griechenland die Mitgliedschaft im IWF entzogen.

Als Konsequenz des aktuellen Zahlungsverzugs beim IWF erhält Griechenland die unter gewissen Auflagen bereits zugesagten 3.7 Mrd. Euro aus dem aktuell ausgelaufenen EFSF-Programm nicht mehr.  Laut der Financial Times soll Alexis Tsirpras zwischenzeitlich gegenüber der Troika (EU-Kommission, EZB und IWF) zu einem Großteil der bisher geforderten Sparmaßnahmen zugestimmt bzw. sie in leicht modifizierter Form zur Annahme vorgelegt haben. Damit könnte Griechenland den ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus, ein Teil des Euro-Rettungsschirms bzw. sogenannte “Euro-Hilfsfonds“ für überschuldete Euro-Mitgliedsstaaten) um ein 3. Hilfsprogramm in Höhe von rund 30 Mrd. Euro bitten.

Am theoretisch 705 Mrd. Euro schweren ESM hält und trägt Deutschland rund 27%, Frankreich 20%, Italien 18%, Spanien ca. 12 %, Niederlande 5,7 % bishin zu Griechenland selbst 2,79 % des Haftungskapitals. Lediglich ein Bruchteil des Haftungskapitals mußte tatsächlich als Einzahlung in den ESM erbracht werden. So hat Deutschland von seinem gegenwärtigen 27%-igen Haftungsanteil (von rund 190 Mrd.) lediglich 21.7 Euro eingezahlt. Griechenland leistete für seine rund 19.7 Mrd. Euro ESM-Haftung 2,3 Mrd. Euro. Insgesamt wurden 2014 rund 80 Mrd. Euro in den ESM eingezahlt. Die verbleibenden Summen sind abrufbare Bürgschaften der am ESM beteiligten Euro-Länder.

Bereits am 20.07.2015 wird Griechenland eine 3.5 Mrd. schwere Euro-Anleihe der EZB zu bedienen haben. Bezahlt der griechische Staat diese Forderung nicht, könnte die EZB den griechischen Banken vollständig den Geldfluß versiegen lassen. Damit wäre Griechenland de facto insolvent. Griechenland könnte den Geschäftsverkehr seiner Banken auf Euro-Basis nicht mehr aufrechterhalten. Es sei denn der ESM prolongiert die bevorstehende Insolvenz und stellt Griechenland weitere Gelder zur Verfügung.

 

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