EZB senkt Leitzins von 0,05 auf 0 Prozent PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 11. März 2016 um 00:07 Uhr

Die Europäische Zentralbank hat heute mittag den seit dem 04.09.2014 mit 0,05 Prozent notierenden Leitzins marginal auf exakt 0 Prozent gesenkt. Weiterhin wolle die EZB ab April für mindestens die kommenden 12 Monate ihr Anleihenaufkaufprogramm um monatlich weitere 20 Mrd. Euro auf dann 80 Mrd. Euro aufstocken. Banken sollen demnächst bei der Einlagenfazilitaet, dem Parken von nicht benötigten Geld bei der EZB, anstatt bisher 0,3 Prozent nun aktuell 0,4 Prozent zahlen und als ein Novum wolle die EZB auch demnächst Unternehmens-repektive Investmentanleihen aufkaufen.

Die Aktienmärkte reagierten abrupt "sehr stark positiv" auf diese News mit einem starken Anstieg des DAX's von etwas über 9.800 Punkten auf nahezu 10.000 Punkten, um dann bei einer genaueren Analyse dieser Maßnahmen binnen der nächsten Stunden alle Kursgewinne wieder abzugeben und letztendlich während der ersten Hälfte des amerikanischen Börsenhandels mit einem Tagesverlust im Dax von -2,31 Prozent bei rund 9.500 Punkten zu schließen. 


Kommentar: Der zwar nominal marginal gesenkte Leitzins hat effektiv für die Mittelzurvefuegungsstellung bei den Banken kaum eine Wirkung, denn ob Banken ihr Geld nahezu kostenlos zu 0,05 Prozent oder wie jetzt auch tatsächlich zu 0 Prozent, also kostenlos, zur Verfügung gestellt bekommen, spielt bei den Banken überhaupt keine Rolle, weil sie das Geld ihren Kreditnehmern ohnehin exorbitant teuer zu 4, 8, 10 oder bisher zu über 17 Prozent zur Verfügung stellen. Diese Bankengewinnmargen liegen ohnehin schon fern von Gut und Böse. Jeder in der realwirtschaft tätigige produzierende Unternehmer oder Mittelständler würde bei auch nur 1/10 dieser Gewinnmargen der Banken vor lauter Entzückung mit herzinfarktgefaehrdender, erfreuter Schnappatmung jauchzend frohlocken. Was widerum heißt, dass unsere Banken riesige, enorme Verluste eingefahren haben müssen. Denn ansonsten hätten wir inzwischen riesige, exorbitante Gewinne bei den Banken gesehen. Das beste Beispiel ist die systemrelevante Deutsche Bank mit der Bekanntgabe von Milliardenverlusten vor ein paar Monaten. Erstaunlicherweise gab es dann anstatt eines absolut gerechtfertigten Börsencrashs auch noch positive Stimmen in der deutschen Medienlandschaft für die Bekanntgabe dieser tollen, bereinigenden Verluste. Man kann alles Schönreden und im Grunde genommen auch jeden Markt an der Börse intervenierend offiziell oder selbst auch inoffiziell stützen. Insofern kann auch die heutige Bekanntgabe der EZB, Investmentanleihen demnächst aufkaufen zu wollen, negativ gesehen werden, denn es wird nicht ohne berechtigten Grund bereits jetzt bekannt gegeben worden sein, dass zukünftig selbst Unternehmensanleihen aufgekauft werden müssen (von welchen Unternehmen, finanzwirtschaftlichen oder realwirtschaftlichen ist auch noch mal die Frage).

Deswegen ist es jetzt nun ein Mal an der Zeit und angemessen, zu artikulieren, dass wir jeder Zeit, in einem Jahr oder selbst schon in einer Woche, den einen großen Börsencrash haben können (von welcher Seite oder aus welchen Gründen auch immer). Fundamental gibt es dafür zahlreiche, frappierende Gründe. Das gesamte ökonomische Umfeld ist im Inneren sehr zerbrechlich, fragil oder nett ausgedrückt, instabil. Daher sollten Sie sich nun gegenwärtig einen persönlichen Countdown von z.B. 7 Tagen setzen, in denen Sie alle vernünftigen Vorkehrungen dafür treffen und auch abschließen sollten, bevor dann zum ersten Wehe an einem "schwarzen Freitag" geblasen wird. Wenn es dann so weit ist, können Sie ruhig davon ausgehen, dass es sehr turbulent sein wird (ob nun in 1 Woche oder auch in 1 Jahr). Alles weitere Unangenehme (ein Unglück kommt selten allein) dürfte und wird dann auch Schlag auf Schlag folgen. Bei unseren Rahmenbedingungen ist das nicht mehr eine Frage, ob das sein wird, sondern lediglich nur noch wann, zu welchem Zeitpunkt. Eine Warnung bezüglich dieser Angelegenheit sollte hinreichend sein, ohne dass man sich diesbezüglich in der Zukunft zu wiederholen braucht.

Kommenden Freitag wird die amerikanische Notenbank ihre Reaktion bezüglich der europäischen Entwicklung bekanntgeben. Allgemein wird damit gerechnet, dass die Fed keine Veränderung des US-Leitzins vornehmen wird, was ich jedoch ein wenig fraglich finde, weil die USA durchaus ein sehr starkes Interesse an einer Erhöhung und an einem starken US-dollar haben könnten. Diese Entwicklung würde die europäischen Börsen auf eine Talfahrt schicken. Früher oder später wird dies leider der Fall sein. Je eher Sie auf so etwas eingestellt sind, um so besser. Hoffen Sie auf das Beste und beugen Sie dem Schlimmsten vor. 

 

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