US Notenbank FED erhöht erstmals nach 7 Jahren den Leitzins PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 17. Dezember 2015 um 06:04 Uhr

Die amerikanische Notenbank FED (Federal Reserve) hat gestern am Mittwoch den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht. Der US-Leitzins notierte die letzten 7 Jahre seit dem 16.12.2008 in der Spanne zwischen 0% bis 0,25%. Jetzt solle die US-Wirtschaft wieder so weit Fuß gefaßt haben, die Arbeitslosenquote bei niedrigen 5 % liegen, dass für die FED der Zeitpunkt gekommen sei, mit diesem Schritt, die bereits lang im Voraus angekündigte Zinswende einzuleuten. Daher erhöhte die FED gestern den Leitzins erstmals mit diesem ersten kleinen Zinsschritt auf die Spanne von aktuell 0,25% bis 0,5%. Beabsichtigt sind weitere "graduelle"/schrittweise Zinserhöhungen. Die FED rechnet Ende 2016 mit einem Leitzins von 1,375 % und Ende 2017 bereits mit 2,625%.

Kommentar: Damit ist seit gestern in den USA die Phase des günstigen Geldes beendet und zugleich das sehr heikle volkswirtschaftliche Wirtschaftsexperiment "in vivo" gestartet, wie man mittels Leitzinserhöhungen umlaufendes Geld wieder zur Notenbank zurückführt, ohne aber zu viel davon aus dem Kreislauf abzuziehen, so dass die zuvor wieder "in Gang gekommene" US-Wirtschaft erneut wieder in die Knie geht. Geld wird in dieser Phase auf alle Fälle teurer, d.h. es stellt sich wieder Inflation ein, eventuell mehr Inflation als gewünscht und beabsichtigt. Das Ausmaß dieser erwarteten Inflationsauswirkungen (Leitzinserhöhungen) legt jedoch die amerikanische Volkswirtschaft nicht alleine für sich isoliert fest, sondern die US-Wirtschaft wird von anderen Volkswirtschaften mitbeeinflußt; inbesondere wenn auch andere Zentralbanken dem Bilde Amerikas folgen und anfangen, ihre Leitzinsen ebenso zu erhöhen. Damit könnte es zu einer Art "Währungskrieg" kommen, bei dem jedes Land mit steigenden Leitzinserhöhungen bei Investoren darum buhlt, dass die internationalen Finanzströme in ihr Land fließen. Je höher der Leitzins dann ist, desto eher fließt das Geld in diese Land, weil es höhere Renditen (Zinsen) abwirft. Gleichzeitig aber "stöhnt und ächzt" das Volk unter dieser "starken Währung", weil mit diesem hohen Leitzins jede Form von Kredit teurer wird und manche Unternehmer gleichzeitig Schwierigkeiten bekommen, noch überhaupt vernünftige Unternehmerkredite von Ihren Banken zu erhalten. Während die Importindustrie boomt, schwächelt die Exportindustrie erheblich. Im Endeffekt reagiert ein Teil der Unternehmer und schlägt seine Probleme (Kapitalkosten) auf seine Preise drauf. Jedoch mit der Folge, dass sich ihre Waren nicht mehr so gut verkaufen lassen und sie bald genötigt werden, personelle Rationalisierungen durchführen zu müssen. Gleichzeitig bekommen aber auch der Staat aufgrund seiner hohen Leitzinsen selbst Schwierigkeiten bei der Neuverschuldung. Denn die neuen Staatskredite bzw. Staatsschulden (Anleihen/Bonds) müssen auch dementsprechend höher verzinst angeboten werden. Der Staat hat mehr Zinsen für die neuen Kredite zu zahlen. Das belastet wiederum die Bürger, denn diese haben die Zinslast zu schultern.

Vereinfacht gesagt können solche Leitzinserhöhungen in einen äußerst schwer zu lösenden Teufelskreislauf führen. Außer es kommt etwas dazwischen und unterbricht diesen Kreislauf, z.B. ein gravierender politischer Einfluß oder irgend ein anderes Ereignis, so dass diese Verbindungen und Verknüpfungen der Volkswirtschaften zeitweilig unterbrochen sind. So etwas kann einen Schock hervorrufen und sogar das Gegenteil von einer Inflation bewirken - eine Deflation, aber diese wäre nur kurzfristig wirksam. Man kann es drehen, wie man will, eventuell gewisse ökonomische Zusammenhänge als fragwürdig darstellen oder im Hinblick auf eine bestimmte Theorie sogar berechtigt negieren. Nur wird hier allzu gerne vergessen, dass das nur eine volkswirtschaftliche Theorie ist und sonst nichts weiter. Das hier aber ist keine Theorie, das hier ist die Realität. Da hilft nur noch gute Laune, denn mittelfristig kann eine galoppierende Inflation durchaus die Folge sein. 

 

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